Ralf Duggen mit Hans Heisinger (Kultuhaus Cairo) 1993
Ralf Duggen mit Hans Heisinger (Kultuhaus Cairo) 1993
Hartmut Emser mit Kai Fraas
Hartmut Emser mit Kai Fraas
Dr. Peter Motsch
Dr. Peter Motsch
Winfried Karl
Winfried Karl

Warum das U&D ist, wie es ist.

Das Konzept des U & D

...gibt es das ?
Ganz sicher.
Ist es formulierbar ?
Ich will‘s versuchen, aber einfach ist das nicht.
Vielleicht weil mir, der ich von Anfang an mitorganisiert habe,  das U & D als eine Art „Organismus“ erscheint, bei dem man erahnen muß, was im nächsten Jahr gut für es ist (wann vergrößert/verkleinert man das Gelände, wie muß der Aufbau sein, was folgt aus neuen Programmpunkten).
Das heißt, das nur ein paar Dinge feststehen und sich anderes immer wieder ändert, anpasst oder wegfällt.

Ausgangspunkt für das U&D war die Erfahrung, daß es in Würzburg sehr wohl gute Bands gab/gibt - die aber - wenn sie nicht grade bekannte Songs covern - kein großes Publikum haben. Das fand ich als Musikliebhaber einfach schade. Was könnte man also tun, um das Publikum zu den Bands zu bringen ? Kein Eintritt wäre schon mal hilfreich...

Dann überlegte ich ganz egoistisch, was mich an Open Airs stört:
- lange Umbaupausen und lange Spielzeiten.
Wenn mir eine Band nicht gefällt und ich weiß, daß sie noch eineinhalb Stunden spielt und dann noch ne dreiviertel Stunde Umbaupause kommt - dann geh ich wieder.
Also muß die Konsequenz sein, daß sowohl Spielzeit wie auch Umbauzeit so kurz sind, daß ich vielleicht doch bleibe.
- mehr „drumrum“: Wenn ich schon auf die nächste Band warte, wär irgendwas zum gucken schön - Verkaufsstände, anderes Programm...
- drangvolle Enge: Enge vor der Bühne gehört zu einem Konzert. Aber im Rest des Geländes verzichte ich gern auf ungewollten Körperkontakt und bestimme auch gern selbst die Geschwindigkeit, mit der ich mich fortbewege. Daher war mir immer wichtig, daß das Gelände beim U&D „luftig“ ist. Unsere Geländewechsel bzw. -vergrößerungen kamen immer dann, wenn es zu eng zu werden drohte.

Damit waren schon ein paar Eckpunkte klar:
- das Ganze darf keinen Eintritt kosten, um das Publikum anzulocken
- es braucht einen prägnanten Namen.
- Bands spielen kurz und die Umbaupausen dauern auch nicht lang
- es sollten keine (kaum) Coverbands spielen, denn die haben in der Regel eher ihr Publikum.
- der inhaltliche Schwerpunkt liegt bei Pop-Bands (das meint nicht „Radiobands“, sondern die ganze Palette populärer Musik). Anfangs wollte ich nicht, daß Metalbands oder Avantgarde-/IndieBands (das meinte damals noch was anderes als heute...) auf dem U & D spielen. Der Hintergrund war, daß die im alten AKW und in den Jugendzentren Auftrittsmöglichkeiten hatten, es für „normale“ Popbands aber schlechter aussah. Aber das musikalische Spektrum war von Beginn an groß, ging nur eher in Richtung Folk, Blues, Jazz, Worldmusic. Dass heute Metal- und Indiebands Teil des U&D sind, finde ich (nur um Mißverständnissen vorzubeugen) völlig richtig.
- die Bands kommen zum Großteil aus Würzburg
- die Bands bekommen keine Gage, weil das die einizge Chance ist, das Festival zu finanzieren. Draus resultiert, daß beim U & D nie die Riesennamen auftreten werden - was auch nie das Ziel war. Es geht immer um ein spannendes Programm durch das die Zuhörer neue Bands entdecken können.
Wichtig: wenn‘s schon keine Gage gibt, soll das drumrum stimmen: Abwechslungsreiches, gutes Catering, kostenloser Verkauf von Bandmerchandising...
- es soll mehr als „nur“ Musik geben. Nicht nur aus „strategischen“ Gründen, sondern weil ich nie verstanden habe, warum man die einzelnen spannenden Kultursparten voneinander trennen soll. Spannend ist es doch, wenn sich Menschen mit verschiedenen Vorlieben begegnen und so mit Dingen in Kontakt kommen, die sie sonst nicht kennenlernen würden.
Nicht zu irgendetwas bekehren wollen - nur Angebote schaffen.

Vieles davon hat noch heute Gültigkeit, manche Dinge wurde aktualisiert:
- Spielzeiten: haben wir 2009 etwas verlängert; ebenso die Umbaupausen.
Aber durch die Vielzahl an Auftrittsorten bleibt der Ausgangsgedanke - nämlich nervige Warterei zu vermeiden - gültig.
- Bandauswahl: Coverbands sind immer noch die Ausnahme von der Regel, Würzburger Bands bilden mit 50 % des Programms immer noch einen Schwerpunkt, auch wenn natürlich mit der steigenden Zahl von Bands und Bühnen auch Künstler aus ganz Deutschland und dem Ausland dazu kommen.
Das musikalische Spektrum (Stichwort Metalbands) wurde deutlich erweitert - einmal, weil die Auftrittssituation heute eine andere ist, als vor 22 Jahren als das U & D startete, zum anderen auch, weil es mit steigender Bühnenzahl auch mehr Raum für die unterschiedlichsten Stilrichtungen gibt.
- was leider geblieben ist, ist die Tatsache, daß die Bands immer noch keine Gage bekommen. Übrigens ausnahmslos. Auswärtige Künstler bekommen ihre Reisekosten erstattet und Hotelübernachtung. Leider ist es finanziell auch nach 22 Festivaljahren noch nicht möglich, den Bands Gagen zu zahlen. Denn wie gesagt: entweder bekommen alle eine Gage oder keine.
- Das Rahmenprogramm wurde im Laufe der Jahre umfangreicher und wichtiger. Der Grundgedanke wurde ausgebaut.
Eine Stärke war schon immer, daß wir manche Dinge einfach probiert haben - ohne zu schauen, ob es nur unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet etwas bringt (was nicht heißt, daß wir nicht schauen, was eine Aktion kosten würde), einfach weil wir eine Idee reizvoll und spannend finden - Stichwort „Ausstellungen im KunstZelt“, später der „EspressoTest“ oder unsere Gedichtausstellung „WortWeg“.

Das U & D ist offen für jeden/jede, der friedlich Musik hören, feiern, Freunde treffen, neue Dinge erleben, Spaß haben will.
Volkfest halt.
Aber anders.
 

Ralf Duggen

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