AMANDA RHEAUME

DRAUSSEN-Bühne | Donnerstag 22:15

tolle Folk-Pop-Country Songs mit Tiefgang

Wie leicht man vorbei hört…
Amanda Rheaumes Musik ist wunderschöner Folk-Pop oder Pop-Country. Tolle Songs, getragen von einer warmen, manchmal etwas brüchigen Stimme, eingängig, einfach schön zu hören. Aber beschäftigt man sich etwas weitergehender mit der Künstlerin und ihrer Musik, erfährt man, dass ihr Werk tiefgründiger ist. Die Kanadierin setzt sich mit ihrer indigenen Herkunft und ihrem Frausein auseinander und gießt dies in eine musikalische Form.

„Schätzungsweise 1180 indigene Frauen und Mädchen wurden in Kanada ermordet oder sind verschwunden.” Mit dieser Einblendung beginnt das Video von „Red Dress”. „Red Dress” ist der Schlüsselsong des Albums „Holding Patterns” (2016), mit dem die kanadische Sängerin und Songwriterin auch hierzulande für Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit kämpft.

Seit jeher hat sie sich intensiv mit indigenen Themen beschäftigt und sich dabei häufig empören müssen. Sie beteiligte sich u.a. an Demonstrationen der MMIWG (Missing and Murdered Indigenous Women and Girls). Tönendes Zeugnis für die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Native Americans in Kanada ist auch ihr Album “Keep a fire” von 2013 geworden. Die eigene Familiengeschichte wird darin beleuchtet.
Das Album ist eine Sammlung von privaten Familiengeschichten, viele davon hatte ihr Großvater ihr erzählt, der bereits verstorbene Eugene Rheaume, der als Vertreter der ethnischen Minderheit der Metis sogar im kanadischen Parlament saß. Der Titelsong beschreibt, wie Amandas Urgroßmutter (vom Stamm der Ojibwe) und ihr Urgroßvater (ein Europäer) lange Zeit im Exil im Norden von Manitoba leben mussten und von beiden Seiten der Familie im Grunde genommen nicht toleriert wurden.

Angesichts der ernsten Thematik gerät die Musik der Kanadierin beinahe in den Hintergrund. Dabei ist es ja gerade die Musik, die die Emotionen transportiert. Amanda Rheaume erweist sich auch auf “Holding Patterns” als versierte Komponistin, der es scheinbar spielend gelingt, ausdrucksstarke Ohrwürmer zu kreieren. Dabei kommt ihr ihre leicht rauhe und dadurch gewaltig ausdrucksstarke Stimme zuhilfe.

Aus gutem Grund gewann sie 2014 den Canadian Folk Music Award for Aboriginal Songwriter of the Year und wurde für den Juno-Award nominiert.

Amanda Rheaume wird beim U&D im Trio auftreten.